Die Uhren stehen auf Neuanfang

18.09.2015

Holzgerlingen Twister nehmen Abschied von der 2. Liga

Von Sandra Langguth Kreiszeitung Böblingen 18.09.2015

Kevin Selje, Headcoach der Holzgerlingen Twister: Hofft, dass beim Tryout am 25. Oktober um 14.30 Uhr möglichst viele interessierte Nachwuchstalente vorbeischauen Foto: Schäfer

Hätte ihm vor der Saison jemand gesagt, welche Höhen und Tiefen das erste Jahr als Headcoach der Holzgerlingen Twister mit sich bringt - Kevin Selje hätte ihm wohl den Vogel gezeigt. Unterm Strich lief die Zweitliga-Saison in der Tat alles andere als rund, weshalb die Verantwortlichen auf der Schönbuchlichtung nun die Reißleine zogen.

Seit Samstag ist klar, dass die Holzgerlingen Twister den Klassenerhalt in der 2. Football-Bundesliga geschafft haben. Dennoch bleiben die Wirbelstürme nicht zweitklassig, weil sie freiwillig den Gang in die Regionalliga antreten. Die Spieler, die die entscheidende Partie zwischen den Kirchdorf Wildcats und den Darmstadt Diamonds im Liveticker verfolgten, wurden über den Schritt am Sonntag per E-Mail informiert. "Ich hatte leider keine Zeit für ein Meeting, deshalb gab es die Info erstmal schriftlich", so Headcoach Kevin Selje, der mit seiner Mannschaft beim Saisonabschluss-Grillen in einer Woche drüber reden möchte.

Dass es soweit kommen musste, liegt für Selje an verschiedenen Faktoren. Vor allem aber an der Personalnot, mit der sich der Headcoach schon recht schnell herumschlagen musste. Absoluter Tiefpunkt war das Auswärtsspiel in Ingolstadt, als gerade einmal 26 Spieler an Bord waren. Viermal streifte sich Selje daher selbst den Football-Helm über. Mit Ramon Hernandez, David Zeller, Patrick Schäfer, Mathis Eder, Daniel Sachse, Nico Knoblauch, Daniel Merk, Tobias Egeler und Denis Esto fielen eine ganze Reihe Spieler teilweise oder ganz aus. "Es hat mich ein bisschen an unser erstes Jahr in der 2. Bundesliga erinnert. Da hatten wir auch so eine Verletzungsmisere", sagt Selje, der obendrein für die letzten Partien aus der eigenen Jugend lediglich mit Maurice Schüle planen konnte. "Das führt eben auch dazu, dass sich sowohl die Offense als auch die Defense immer total umstellen musste", erklärt Selje. Blind zu wissen, was der Spieler rechts und der links von einem tut, funktioniere dann einfach nicht mehr. Am Klassenerhalt selbst hat Selje allerdings nie gezweifelt. "Ich wusste, dass wir zuhause gegen Darmstadt so klar gewinnen, dass der direkte Vergleich zu unseren Gunsten ausfällt. Und dass die ihre letzten Spiele verlieren würden, war mir auch klar."

Immerhin können die Twister mit der Gewissheit, es doch geschafft zu haben, in der Regionalliga einen Neuanfang starten. Für den Headcoach, der sich vor zwei Wochen mit Abteilungsleiter Sascha Blumenhagen, Vize Heiko Schober und Kassier Thomas Belser zusammengesetzt hat, die beste Lösung. "Mir war schon nach der Begegnung in Wiesbaden Anfang Juli klar, dass es so kommende Saison kaum möglich sein wird, ein zweitligataugliches Team auf die Beine zu stellen, zumal auch einige aufhören", zählt Selje mit Darko Pisaric (pausiert ein Jahr aus beruflichen Gründen), Patrick Schäfer, Alexander Lorch (beide Familie), David Zeller, Daniel Pranjic, Ramon Hernandez, Denis Esto (hören alle auf), Kevin Wilke, Daniel Merk (beide USA) sowie Jeffrey Bähr und Mathis Eder (Zukunft noch nicht sicher) nicht nur irgendwelche Namen auf. "Mit einigen Spielern habe ich auch noch Gespräche. Da wird sich dann entscheiden, ob sie bleiben oder nicht." Negative Reaktionen zum freiwilligen Abstieg haben ihn seitens der Mannschaft bislang nicht erreicht. "Ich denke, die Spieler verstehen das. Zumal es auch keinen Spaß mehr macht, wenn man ständig nur verliert." Sollte aber dennoch einer die Twister verlassen wollen, weil die Regionalliga für ihn keine sportliche Herausforderung darstellt, "werden wir ihm natürlich keine Steine in den Weg legen."

Nach zwei Jahren Regionalliganoch mal oben angreifen

Für den Verein sei es jedoch das Beste, die Uhr noch mal auf Null zu stellen, in den kommenden zwei Jahren in der Regionalliga einen Kader von 45 bis 50 Mann aufzubauen und dann erneut oben anzugreifen. "Das heißt ja nicht, dass sich jetzt im Training was ändert oder wir keine Ziele mehr haben. Natürlich wollen wir vorne in der Tabelle mitspielen", betont der Headcoach. Dass man sich im Kreis mit zwei Football-Mannschaften gegenseitig Konkurrenz in Sachen Spielermaterial macht, ist für Selje eine Tatsache, mit der es umzugehen gilt. "Klar wäre es besser, aus den Twister und den Böblingen Bears ein Team zu machen, aber das würde nicht funktionieren", so der Headcoach, der großen Wert legt auf die freundschaftlichen Bande zu den Bears, die in der jüngsten Vergangenheit geknüpft wurden. So sind die Twister beispielsweise am Sonntag beim Charity Bowl der SVB mit einem Allstar-Team dabei (siehe Artikel rechts). "Das ist eine gute Sache für den Schönbuch", freut sich Selje auch schon auf den 25. Oktober. "Auf dem neuen Beach werden wir ein Tryout veranstalten. Zudem findet der U17-Spieltag statt." Interessierte können dann einfach beim Probetraining vorbeischauen. "Wir sind auch auf der Suche nach Helfern", spricht Selje ein Themenfeld an, das er in nächster Zeit ebenfalls beackern muss. Denn zweitligatauglich sind die Strukturen in Holzgerlingen in seinen Augen nicht. "Deshalb ist es gut, dass wir jetzt statt 14 nur noch zehn Spiele haben. Durch die früher zu Ende gehende Saison bekommen wir auch weniger Probleme mit der Urlaubszeit. Und außerdem werden in der Regionalliga sicherlich mehr Zuschauer kommen", schätzt Selje.

Doch zunächst braucht er neue Spieler. Wie viele es nach Holzgerlingen zieht, wird sich am 6. November zeigen, wenn der Headcoach zum ersten Training bittet.


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