Mit 26 Mann Respekt verdient

24.08.2015

Holzgerlingen Twister verlieren 9:42 in Ingolstadt

Von Sandra Langguth Kreiszeitung Böblingen 24.08.2015

Kein Entrinnen für Jeffrey Bähr von den Holzgerlingen Twister (schwarzer Helm) gegen die Ingolstadt Dukes: Mit nur 26 Mann eine 9:42-Niederlage kassiert Foto: Schittenhelm

Wenn eine Mannschaft verliert, ihr Trainer aber dennoch stolz wie Bolle ist, dann muss schon etwas Außergewöhnliches passiert sein. Bei den Zweitliga-Footballern der Holzgerlingen Twister war genau das am Samstagabend der Fall. Die abstiegsbedrohte Mannschaft von Headcoach Kevin Selje trat beim Tabellenzweiten Ingolstadt an und unterlag dort mit 9:42. An sich eine derbe Niederlage, doch für Selje gilt es, das Ergebnis richtig einzuordnen. Zum einen konnte seine Mannschaft die Niederlage im Vergleich zum 0:47 im Hinspiel zumindest etwas freundlicher gestalten, und zum anderen reiste Selje mit lediglich 26 Spielern zu den Ingolstadt Dukes.

"25 Spieler muss man mindestens haben, sonst darf man nicht antreten", macht Selje deutlich, wie prekär die Personalsituation tatsächlich war. Zu der ohnehin schon langen Liste an Urlaubern kamen kurzfristig noch Thomas Williams Junior und Darko Pisaric hinzu. So musste beispielsweise Jeffrey Bähr, der eigentlich Running Back in der Offense ist, als Linebacker in der Defense aushelfen. Und für das Kicken des Balles zwischen den Torstangen hindurch war am Samstag Thomas Rüschenpöhler zuständig, da mit Daniel Merk (für vier Jahre in die USA) und Kevin Wilke (Urlaub) beide etatmäßigen Kicker fehlten. "Wir hätten das Spiel auch absagen können, wie Darmstadt vor zwei Wochen gegen Kirchdorf. Aber so was machen wir nicht", erklärt der Headcoach, für den die Ausgangslage alles andere als berauschend war. Schon vor dem Kickoff um 19 Uhr wusste er, dass es nur darum gehen kann, den Schaden in Grenzen zu halten. "Das ist uns auch gelungen. Ich bin wirklich stolz auf mein Team. Es hat sich voll reingehängt. Mit so wenigen Leuten könnte man locker auch ein 0:60 kassieren. Wir haben uns den Respekt der Liga verdient", meinte Selje, für den ohnehin das vorletzte Spiel am kommenden Samstag in Nürnberg das wichtigere im Kampf um den Klassenerhalt ist.

Den Umständen zum Trotz sorgten die Twister für das erste Highlight der Partie. Die Dukes hatten den Ball und bewegten ihn auch gut nach vorne, bis Marcel Dingler den richtigen Moment abpasste, sich das Ei schnappte und mit einer Interception seine Offense aufs Feld brachte. Die hatte allerdings keine Chance gegen das Abwehr-Bollwerk der Dukes, und so war der Ball nach zwei Angriffsdurchgängen auch wieder futsch. Die Hausherren machten es besser, sie gingen im ersten Quarter durch zwei Touchdowns und zwei Zusatzpunkte mit 14.0 in Führung. Im zweiten Spielviertel begannen die Twister richtig gut und erzielten anständig Raumgewinn, mussten sich dann aber doch mit einem Punt vom Ballbesitz trennen. Die Antwort der Dukes: ein Lauf-Touchdown mit Zusatzpunkt zum 21:0. Doch nun taten auch die Twister etwas gegen die Null auf dem Scoreboard. Von der eigenen 22-Yard-Linie aus brachten sie das Ei bis einen Meter vor die gegnerische Endzone. Das letzte Bisschen überbrückte schließlich Rando Langer, der seiner Mannschaft damit sechs Punkte bescherte. Der Kick durch Rüschenpöhler war allerdings nicht gut. Mit diesem Zwischenstand von 6:21 ging es in die Halbzeitpause.

Beim nächsten Spiel in Nürnbergsind die Urlauber wieder dabei

Nach Wiederanpfiff legen die Dukes nochmal nach und führten zum Ende des dritten Quarters mit 35:6. Die Twister wagten anschließend noch ein Fieldgoal, um weitere drei Punkte zu sammeln. Thomas Rüschenpöhler legte sich die Kugel zurecht, schoss und traf genau zwischen die Stangen. "Wir haben uns gefreut wie Schneekönige", so Selje, für den die weiteren Punkte der Dukes zum 42:9-Endstand nicht mehr ins Gewicht fielen.

Nun stehen noch die beiden letzten Saisonspiele kommenden Samstag bei den Nürnberg Rams und am 5. September bei den Kirchdorf Wildcats an. Eines davon sollten die Twister gewinnen, um den Klassenerhalt zu sichern. "Dann sind auch wieder unsere Urlauber zurück und die ganze Mannschaft tut sich leichter, weil der ein oder andere dann auch mal eine Verschnaufpause bekommt", hofft Selje, dass die Darmstädter, die noch gegen München, Frankfurt und im Nachholspiel gegen Kirchdorf ranmüssen, ihnen am Ende keinen Strich durch die Rechnung machen.