Mit einem Plakat fing vor 14 Jahren alles an

23.07.2015

KRZ-Serie Geschwister im Sport (Teil 20): Ralf, Michael und Rando Langer aus Böblingen spielen bei den Holzgerlingen Twister Football

Von Sandra Langguth Kreiszeitung Böblingen 23.07.2015

Ralf, Michael und Rando Langer in voller Football-Montur: Bei den Holzgerlingen Twister in der 2. Bundesliga das sportliche Glück gefunden Foto: src

Fußball war gar nix. Und Hockey irgendwie auch nicht. American Football? "Das ist die schönste Sportart auf der ganzen Welt", schwärmen Ralf, Michael und Rando Langer. Die Brüder aus Böblingen gehören mit Leib und Seele der Holzgerlinger Twister-Nation an und gehen in der 2. Bundesliga auf Punktejagd.

Drei Brüder in einer Mannschaft. Kann das gutgehen? Allerdings. "Wir verstehen uns prima", grinsen die Langers übers ganze Gesicht. Ralf, mit 27 Jahren der älteste des Dreigespanns, spielt in der Defense als Cornerback, sein ein Jahr jüngerer Bruder Michael ist Defenseback und Rando, trotz seiner 19 Jahre das Nesthäkchen, ist Receiver. Dass die Böblinger nach ihren sportlichen Ausflügen zum GSV Maichingen und der SV Böblingen überhaupt zum Football gekommen sind, war ein glücklicher Zufall. "Wir haben auf dem Sindelfinger Stadtfest ein Plakat gesehen. Es sollte bei den Holzgerlingen Twister eine Jugendmannschaft gegründet werden", berichtet Ralf. Also fackelten er und sein Bruder Michael nicht lange herum, besuchten das erste Tryout und waren sofort Feuer und Flamme.

Diese Begebenheit ist inzwischen schon 14 Jahre her. Die Jungs - immerhin waren zum ersten Auswahltraining rund 30 Interessierte gekommen - sollten sich erstmal in den Basics wie Ball fangen und werfen, Weitsprung oder Sprinten versuchen. "Unser heutiger Headcoach Kevin Selje hat damals mit uns angefangen", denkt Michael lachend an die Zeit zurück. Dass die Langer-Brüder dabei blieben, haben sie auch ein bisschen ihrer Mutter Martina zu verdanken. "Sie hat uns erst so richtig motiviert. Aber es hat auch riesigen Spaß bereitet. Und es war schön, etwas Neues zu machen, und zwar etwas, das nicht jeder macht", fühlten sich die Jugendlichen dadurch auch ein bisschen besonders. Zumal die Böblinger bis dahin so gut wie nichts über Football wussten.

Zwei Jahre spielten Ralf und Michael schon bei den Juniors, als die Twister eine Flagjugend gründeten. Die ist für die ganz jungen Footballer, wird ohne Körperkontakt gespielt und ist deshalb auch weniger gefährlich. Das war der Einsatz für Rando, den Jüngsten im Bunde. "Ich habe bis dahin immer meinen Brüdern zugeschaut, bei Spielen und sogar im Training. Und natürlich wollte ich auch Football spielen", erzählt der 19-Jährige, der vergangene Saison zu den Seniors in die Zweitliga-Mannschaft aufgestiegen ist und so quasi mit seinen Brüdern gleichgezogen hat. Auf Erfolge mit den Twister können sie alle drei zurückblicken. Die zwei älteren sind 2004 und 2008 baden-württembergischer Jugendmeister geworden und nur knapp am Aufstieg in die Bundesliga gescheitert. Diesen Schritt hat Jahre später dafür Rando geschafft.

Inzwischen sind die Langer-Brüder in einem Team vereint, und erleben dadurch natürlich auch gemeinsam alle Höhen und Tiefen. Wobei es in dieser Saison momentan eher die Tiefen sind, die das Spielgeschehen der Twister bestimmen. "Wir müssen einfach die vielen, kleinen Fehler abstellen", sind sich alle drei einig.

Niederlagen können die Brüderauch etwas Positives abgewinnen

Positives können die sympathischen jungen Männer der Situation, in dieser Saison in sieben Spielen erst zwei Siege gelandet zu haben, aber auch abgewinnen: "Das stärkt den Teamzusammenhalt. Und uns als Brüder schweißt das noch mehr zusammen." Alle genießen gleichermaßen die Atmosphäre, die an so einem Spieltag auf dem "Beach", dem Kunstrasenplatz in Holzgerlingen herrscht. Stunden vorher sind die Spieler schon am Vereinsheim, bauen allerhand für den Spieltag auf, lassen sich tapen, wärmen sich gemeinsam auf und lassen sich auf den anstehenden Kampf einschwören. Höchste Konzentration ist gefordert, wenn es dann ans Eingemachte geht. "Wer nicht aufpasst, verletzt sich eher mal", sagt Bürokaufmann Ralf Langer. Er weiß, wovon er redet. Zwei Kreuzbandrisse im linken Knie haben ihn schon monatelang außer Gefecht gesetzt. Aber auch Rando, der gerade sein Abitur gebaut hat und vielleicht Informatik studieren möchte, hat schon einen Kreuzbandriss erlitten. "Bei mir war's nur mal bissle was an der Schulter", hat Michael, seines Zeichens gelernter Koch, gut Lachen.

In den vergangenen Wochen hatten die jungen Männer spielfrei. Nun steht ihnen diesen Sonntag das Auswärtsspiel bei den Darmstadt Diamonds bevor. Ob der Klassenerhalt wohl gelingen mag? Die letzten sechs Saisonspiele werden es zeigen. Und falls nicht, wird sich an einer Sache trotzdem nichts ändern: Für die drei Langers ist Football der schönste Sport der Welt.


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