Nach vier Stunden im Bus fehlt Kraft

06.07.2015

Holzgerlingen Twister verlieren 9:24 bei den Wiesbaden Phantoms

Von Michael Schwartz Kreiszeitung Böblingen 06.07.2015

Normalerweise als Tight End aktiv: Dieses Mal musste Twister Paul Sieffert (Nummer 45) wegen Personalmangels auch in der Offensive Line aushelfen KRZ-Foto: Ruchay-Chiodi/Archiv

"Hätten wir mehr Manpower gehabt, dann hätten wir sie geschlagen", war Headcoach Kevin Selje von den Holzgerlingen Twister überzeugt. Die Zweitliga-Footballer waren allerdings mit nur 28 Mann zu den Wiesbaden Phantoms gereist. Und dass die Gastgeber mit 42 Spielern einige mehr zur Verfügung hatten, merkte man dann doch deutlich. Nicht zuletzt am Ergebnis - die Wirbelstürme aus dem Schönbuch verloren auswärts mit 9:24.

Ein paar Verletzte hier, ein paar beruflich Verhinderte dort, und schon musste Selje an einigen Stellen improvisieren. So ging beispielsweise Darko Pisaric nicht wie sonst üblich nur mit der Defensive Line aufs Feld, sondern musste auch in der Offensive Line ran. Doppelte Belastung also, was durch die drückende Hitze sicherlich nicht einfacher gemacht wurde. Da tut jede Pause auf der Bank gut, aber die konnte Kevin Selje seinen Spielern eben nicht so oft geben, wie es nötig gewesen wäre. "Die Jungs haben aber trotzdem gefightet bis zum Ende, ich bin megastolz auf sie", lobte der Headcoach. "Irgendwann lässt halt die Kraft nach." Vor allem nach einer vierstündigen Busfahrt, 90 Minuten länger als eigentlich vorgesehen. "Die ganzen Staus steckten uns in den Knochen und wir sind müde in das Spiel gegangen", so Kevin Selje.

Vielleicht lässt es sich dann auch mit fehlender mentaler Frische erklären, was beim ersten Touchdown der Phantoms passierte. "Missed Tackles" nennt man es in der Fachsprache - übersetzt könnte man sagen, dass die Wirbelstürme einfach vorbeigesprungen sind, als sie den Gegner zu Fall bringen wollten. Und so schaffte es ein Wiesbadener in die Endzone. "Das hätte nicht passieren dürfen", haderte Selje mit einem erneuten eigenen Fehler seiner Mannen auf dem Feld. Noch ärgerlicher war eine vermeintliche Fehlentscheidung der Schiedsrichter beim zweiten Touchdown der Gastgeber. Um einen langen Pass fangen zu können, schubste ein Phantom seinen Gegenspieler weg. Eigentlich hätte eine Flag aufs Feld fliegen müssen. Tat sie aber nicht. "Vielleicht war die Sonne auch für den Referee zu viel", nahm es Kevin Selje mit Humor. Zur Pause stand es also 0:14, bei sengender Hitze noch schwerer aufzuholen als sowieso schon.

Im letzten Quarter doch noch Punkte aufs Scoreboard gebracht

Die Offensive der Holzgerlinger kam nur langsam in Fahrt und brachte auch erst im letzten Quarter die ersten Zähler aufs Scoreboard. Zunächst durch einen Safety, als der gegnerische Punter das Ei ins Aus kickte, dann mit einem Pass-Touchdown in letzter Sekunde. Quarterback Daniel Merk hatte Kevin Wilke gefunden, der das 20-Yard-Zuspiel fing und in die Endzone brachte. Wiesbaden punktete in diesem Viertel nicht. "Man hat aber auch gesehen, dass deren Backups auf dem Feld standen", räumte Kevin Selje ein.

Die Lage der Holzgerlingen Twister wird so langsam ernst. Nur noch das Punkteverhältnis trennt das Team vom ersten Abstiegsplatz, den gerade die Darmstadt Diamonds belegen. Und genau zu denen geht es im nächsten Spiel am 25. Juli. "Das wird sicher das Entscheidungsspiel", gilt für Kevin Selje jetzt die volle Konzentration der Vorbereitung auf diese eine Partie.


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