Mächtig Sand im Getriebe auf dem Beach

29.04.2015

Holzgerlingen Twister verlieren gegen den starken Aufsteiger Ingolstadt Dukes deutlich mit 0:47

Von Sandra Langguth Kreiszeitung Böblingen 27.04.2015

Kevin Wilke von den Holzgerlingen Twister mit dem Ei im Arm auf der Flucht: Gegen übermächtige Ingolstadt Dukes bei der 0:47-Klatsche vor eigenem Publikum so gut wie keine Chance gehabt Foto: Schittenhelm

Dass es gegen aufgerüstete Ingolstadter nicht leicht werden würde, war den meisten Fans der Holzgerlingen Twister klar. Dass der starke Aufsteiger jedoch so deutlich dominieren würde, nicht. Weder in der Offense noch in der Defense konnten die Twister unter ihrem neuen Headcoach den Dukes das Wasser reichen.

Kevin Selje konnte nur noch mit dem Kopf schütteln. Fast 50 Punkte kassiert, selbst keinen einzigen Touchdown aufs Feld gebracht und den Saisonstart in der 2. Football-Bundesliga damit mächtig in den Sand gesetzt. Wobei die Twister Sand auf ihrem Beach, wie sie den Kunstrasenplatz in Holzgerlingen nennen, eigentlich mögen. Aber nicht wenn er im Getriebe ist, so wie gestern. Nichts, aber auch gar nichts lief bei den Gastgebern zusammen, während die Dukes es sich auch noch leisten konnten, besonders schön spielen zu wollen.

Es fing schon nicht gut an für die Twister, die gleich in ihrem ersten Drive eine Interception kassierten. Und mit der Offense auf dem Feld, wirbelten die Dukes die Twister-Defense so richtig durcheinander. Pass - Catch - Touchdown. Die Zuschauer mussten zweimal hinsehen, so schnell lagen die Gastgeber bereits hinten. Mit gelungenem Kick führten die Ingolstadter 7:0. Doch noch war alles offen. Allerdings glichen die Angriffsbemühungen der Twister mehr einem lauen Lüftchen als einem Wirbelsturm. "Wenn es die Offense nicht packt, müssen halt die Specialteams herhalten", sagte Stadionsprecher Martin Ehrenfried in seiner gewohnt launigen Art, als die Twister punten mussten und Jeffrey Bähr ein neues First down herausholte. Doch Raumgewinn war bei den meisten Versuchen der Twister Mangelware. Mal ging es ein paar Yards vor, dann wieder einige zurück. Und während die Pässe von Quarterback Daniel Merk viel zu oft nicht bei den Widereceivern Thomas Williams Jr. oder Patrick Schober ankamen, ging es auch mit den Feldspielzügen durch die Mitte nicht vorwärts. Wenn es doch funktionierte, waren die Twister den Ball auch ganz schnell wieder los.

Mit einem einzigen Pass fast das gesamte Spielfeld überbrückt

Ganz anders die Dukes, die mit einem einzigen Pass fast das halbe Spielfeld überbrückten und locker in die Endzone der Twister traben konnten. "Wo ist der Safety?", brüllte Kevin Selje quer über den Platz. Inklusive Kick lagen die Dukes schon 14:0 vorne und kamen sogleich erneut in Ballbesitz, als ihnen die zweite Interception gelang. Kevin Selje donnerte der Defense Anweisungen entgegen, doch weder "Oscar" noch "Chihuahua" wollten so recht klappen. Den nächsten Beinahe-Touchdown der Dukes konnte Ralf Langer zwar verhindern, doch irgendwann, spätestens nach der nächsten Interception, kam er doch. Bis zur Pause bauten die Ingolstadt Dukes ihre Führung kontinuierlich bis auf 28:0 aus, hatten also mit ihren Einkäufen vor der Saison offensichtlich nicht auf Sand gebaut. "Der Quarterback ist sein Geld wert", meinte auch Martin Ehrenfried.

Nach der Halbzeitpause hatten die Twister erstmals die Chance auf einen eigenen Touchdown. Nach einem schönen Lauf von Ralf Langer waren nur noch wenige Yards zu gehen, als Kevin Wilke das Ei schon zum sicheren Punktgewinn in den Händen hielt, es aber wieder fallen ließ. Die nächsten Versuche brachten keinen weiteren Raumgewinn, und die Chance war vertan. "So viele Leichtsinnsfehler", hätte Kevin Selje am liebsten gar nicht mehr hingesehen. Doch er musste genauso wie die Fans auch miterleben, wie die Offense der Dukes schon wieder auf dem Vormarsch war. Ein langer Pass, ein kurzer Lauf - und schon stand es 35:0 für die Gäste. "Jetzt aber mal los!", versuchte ein Twister-Anhänger seinem Team Mut zu machen, doch die Offense agierte viel zu einfallslos.

Einfallslose Twister-Offense stellt die Dukes kaum vor Probleme

Schon wieder musste nach drei erfolglosen Versuchen gepuntet werden. Und wie es eben so ist, wenn es nicht läuft, kommt auch noch Pech dazu. Der Ball prallte an einem Spieler ab und kullerte zurück in die eigene Endzone. Safety, zwei Punkte für die Dukes - 37:0. Die restlichen zehn Zähler holten sich die Ingolstadter durch ein Fieldgoal und einen Touchdown plus Extrapunkt. "Ich lade das Video zum Spiel noch heute hoch, und jeder Einzelne schaut es sich mehr als nur einmal an. Danach gilt unsere 24-Stunden-Regel. Ab morgen konzentrieren wir uns nur noch auf das nächste Spiel", war der Headcoach nach dem Spiel angefressen. Auch Quarterback Christoph Münster wollte seinem Frust nach dem Spiel Luft verschaffen. "Wir sind hier nicht in der Bauernliga. Wir müssen auf uns selbst schauen und nicht die ganze Zeit davon reden, wie viel Geld die anderen Teams haben. Nur wir können an unserem Auftritt etwas ändern. Und dafür muss jeder wissen, was er zu tun hat."

Etwas ändern müssen die Twister auf jeden Fall, wenn sich solch ein Debakel nicht wiederholen soll. "Heute lief einfach alles schief", war Kevin Selje sichtlich geknickt. Die nächste Chance auf Punkte gibt es am 10. Mai gegen Frankfurt Universe.


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