Die Twister machen die Nacht zum Tag

04.02.2015

Holzgerlinger Zweitligist hat mit dem Böblinger Seegärtle ein Public Viewing zum Super Bowl auf die Beine gestellt

Von JEREMIAS RENNER Kreiszeitung Böblingen 04.02.2015

Twisterspieler, Trainer, Bekannte oder einfach nur Football-Fans: Beim Super Bowl, dem Finale der American-Football-Profiliga, war bis in die Morgenstunden Spannung angesagt Foto: R. Butsch

Bereits zum zweiten Mal veranstaltete das Böblinger Seegärtle mit den Holzgerlingen Twister ein Public Viewing zum Super Bowl. Mehr als 120 Football-Fans schlugen sich bis um vier Uhr morgens die Nacht um die Ohren und durften sich über ein Spiel freuen, das keinen kalt ließ.

Die Spannung ist auf dem Siedepunkt. Noch 26 Sekunden. Gerade einmal einen Yard müssen die Seattle Seahawks den Ball noch nach vorne bewegen, um mit einem Touchdown den Spielverlauf ein weiteres Mal auf den Kopf zu stellen und in Führung zu gehen. Selbst dann hätte New England immer noch die Chance, per Fieldgoal auszugleichen. "Bloß nicht. Alles, nur keine Overtime!", sagt Christina, eine der wenigen Frauen beim Public Viewing. "Ich bin müde." Damit ist sie nicht alleine im Seegärtle. Wie auch, es ist vier Uhr. Doch einschlafen kann keiner bei diesem Spiel, so packend ist es.

Zum zweiten Mal haben das Böblinger Seegärtle und die Zweitliga-Footballer der Holzgerlingen Twister am Sonntag zum gemeinsamen Schauen des NFL-Endspiels eingeladen. Der Super Bowl ist das größte Einzelsportereignis der Welt, rund 800 Millionen Fans sehen sich das Duell der besten Mannschaft des Westens gegen die beste des Ostens im Fernsehen an. In den USA ist der Sonntag des Endspiels ein regelrechter Nationalfeiertag. Für die deutschen Fans gibt es jedoch ein Problem: Die Uhrzeit. Nichtsdestotrotz konnte sich Seegärtle-Chef Uwe Hutfilz auch in diesem Jahr wieder über eine volle Hütte freuen. Entspannt Football gucken können Hutfilz und seine Mitarbeiter nicht wirklich. "Aber," sagt dieser, "würde ich entspannt auf dem Sofa schauen, wäre ich ohnehin eingeschlafen."

Für viele ist das einer der Hauptgründe dafür auswärts zu schauen. So geht es auch William Vogt und seinem Vater. Der 15-jährige William, der in der Twister-Jugend spielt, und seine beiden Kumpels, die 13-jährigen US-stämmigen Zwillinge Aidan und Ellis Ward gehören zu den jüngsten, die sich im Seegärtle die Nacht um die Ohren schlagen. Zur Schule müssen sie am nächsten Tag natürlich trotzdem. Williams Vater bemüht dazu eine alte Weisheit: "Wer feiern kann, kann auch aufstehen!" Zu feiern gab's für die beiden Seattle-Fans am Ende dann allerdings nichts. Christoph Münster, der Quarterback der Holzgerlingen Twister, ist egal wer gewinnt. "Ich hoffe nur, dass die Patriots nochmal rankommen, der Spannung halber", sagt er, als das Team aus dem Osten zu Beginn der zweiten Hälfte plötzlich mit zehn Punkten in Rückstand gerät.

Auch die Halbzeitshow mit Katy Perry hat es in sich

Neben ihm sitzt mit David Zeller einer der wenigen weiteren anwesenden Vertreter der Holzgerlingen Seniors. Zeller hat sich am Montag Tag freigenommen, ein Luxus, den sich offenbar nicht jeder leisten konnte. Christoph Münster ist Student. "Ich habe mir auch freigenommen", lacht er.

Laurin Lehmann muss am Montag arbeiten. "Homeoffice - da kann ich ruhig etwas später anfangen." Er hat acht Jahre lang selbst Football gespielt, bevor ein Kreuzbandriss seine Karriere beendete. Sein Kumpel Patrick Elchner hat momentan auch mit den Folgen der tückischsten aller Knieverletzungen zu kämpfen, auch wenn er sie sich beim Fußball geholt hat. Die beiden Nebringer kennen sich mit den Football-Regeln bestens aus und wollen sich auch die Halbzeitshow nicht entgehen lassen. Es lohnt sich. Sängerin Katy Perry liefert einen spektakulären Auftritt ab.

Kurz vor dem Ende ist es Christina egal, wer gewinnt. Ganz so entspannt ist ihre Freundin Jana nicht, die ihr gegenüber sitzt. Ihr Herz schlägt für die Seahawks. Und während sie um die letzte Chance ihres Teams zittert, wird zwischen ihr und Freund George urplötzlich ein anderes Thema ganz wichtig: Wer darf seine Anhängerschaft an das erste gemeinsame Kind weitergeben? George ist für die Oakland Raiders, Jana möchte natürlich einen kleinen Seahawk heranziehen. Christina sagt: "Das arme Kind. So oder so." Am Ende gibt es einen Kompromiss. Es müssen eben zwei Kinder werden. Ein Seahawk und ein Raider.

Dann sind die Blicke wieder auf die Leinwand gerichtet. Seattle-Quarterback Russel Wilson passt - abgefangen! Damit gewinnen die New England Patriots mit 28:24. Viele im Seegärtle jubeln, sie freuen sich mit New Englands deutschen Offensive Tackle Sebastian Vollmer. Das Ergebnis präzise vorhergesagt hat Simon Schäfer. Er gewinnt damit das Tippspiel und darf sich über ein Dinner-For-Two im Seegärtle freuen. Auch Uwe Hutfilz freut sich. "Wir machen das jetzt immer. Bisher sind wir die einzigen in der Stadt, die das anbieten."


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